Was bisher Geschah

Im letzten Artikel habe ich beleuchtet wie es zur Hauptphase der Prohibition in den USA kam und wie über Nacht eine ganze Industrie in die Illegalität abrutschen konnte.

Das organisierte Verbrechen konnte dadurch überhaupt erst entstehen und Legenden wie Al Capone, Lucky Luciano, Elliott Ness und viele andere, die vielen von euch aus “Boardwalk Empire” bekannt sein könnten.

Al Capone, Mafia, Prohibition, Gangster, Chicago, New York

Alfons Capone

-Bei meinen Recherchen ist mir übrigens aufgefallen, dass die Serie historisch erstaunlich exakt ist-

 

Eine Schattenindustrie

Es entstand ein ganz neuer “Berufszweig” – der des Bootleggers.

Bootlegging kommt von der ersten Methode des Alkoholschmuggels, nämlich im Schaft eines Stiefels und schnell wurden aus ganz gewöhnlichen Gaunern, die sich kaum über Wasser halten konnten schwerreiche Alkoholschmuggler, die dafür auch noch von der Bevölkerung auch noch verehrt wurden.

Auch die Spirituosenhersteller aus Übersee taten sich mit den Gesetzlosen zusammen um ihre Produkte weiterhin in die USA zu schaffen und so entwickelte sich der Alkoholschmuggel zum größten “Wirtschaftszweig” in den USA.

Auf dem Lande zeigte die Prohibition durchaus Wirkung, da die dortige Bevölkerung eher religiös geprägt war, allerdings hatte sie in allen Großstädten und Ballungsgebieten einen genau gegenteiligen Effekt – es wurde beinahe doppelt so viel Alkohol konsumiert wie zuvor.

Der Schmuggel florierte und es wurden fast ausschließlich Spirituosen geschmuggelt, da diese leichter zu verstecken waren als große Bierfässer. Und auch die Abgabe von Alkohol auf Rezept, was immer noch legal war, stieg dramatisch an, da viele Apotheker und Ärzte sich schlichtweg bestechen ließen und auch kräftig daran verdienten.

Die Anzahl der “Moonshiners” explodierte ebenfalls. War es vor 1920 lediglich ein Hobby für viele auf dem Lande ihren eigenen Schnaps zu brennen, so wurde es danach ein wirklich äußerst lukratives Geschäft. Aber auch in den Städten wurde es immer populärer eine Heimdestille zu betreiben.

Die Cosa Nostra bezahlte in Chicago und New York mehrere zehntausend Haushalte dafür, in den eigenen vier Wänden für sie Schnaps zu brennen. Dieser war zwar von fürchterlicher Qualität und in vielen Fällen auch gesundheitsgefährdend, aber in diesen Zeiten ließ sich fast alles zu Geld machen, was Alkohol enthielt.

Naheliegende Lösungen

Diejenigen, die es sich leisten konnten fanden jedoch Mittel und Wege, wie sie weiterhin auch ohne direkt das Gesetz zu brechen erstklassigen Alkohol genießen konnten.

Vergnügungsboote fuhren regelmäßig ausserhalb der drei-Meilen-Zone in internationale Gewässer und nahmen dort Alkohol von Bootleggern und Rum-Runnern auf und die Passagiere feierten rauschende Feste an Bord und das alles offiziell legal.

Wiederum andere zog es nach Kuba, wo zu dieser Zeit einige heute legendäre Bars erst zu ihrem Ruhm kamen. Bars wie “El Floridita” oder “The Jockey Club” wären ohne die Prohibition niemals so berühmt geworden.

Kuba war ein wahres Mekka für die Trinktouristen. Es gab aktive Destillen und importierte Spirituosen aus aller Welt und in allen Qualitäten. Wer es sich leisten konnte, verlagerte seine Wahlheimat sogar ganz nach Kuba, wie der berühmte Rum Runner William Mccoy.

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William McCoy

Jedoch nicht nur Kuba, auch Kanada und Mexiko erlebten eine Flut an Tourismus, jedoch nicht in einem solchen Ausmaß wie die Karibikinsel.

Die Party geht zu Ende

Nicht nur die Bootlegger und Gangster glaubten sie könnten immer nur noch reicher werden, auch die Börsianer der 20er glaubten sie könnten eine ewig währende Party mit immer größeren Profiten feiern.

Es wurde auf einfach alles spekuliert, was Gewinn bringen konnte, aber besonders auf Immobilien und genau wie in der Finanzkrise 2008 führte das zu nichts gutem.

Am 24. September 1929 war die Party auf einen Schlag vorbei. Die Blase platzte und die gesamte Amerikanische Wirtschaft rauschte ungebremst in den Keller und zog die Weltwirtschaft gleich mit sich.

Welchen Einfluss hat das nun auf die Prohibition?

In der Krise wurde schnell gefordert den Volstead Act aufzuheben um die Wirtschaft wieder zu beleben. Immerhin lagen zehntausende Jobs in der Spirituosenindustrie und Millionen Dollar Kapital lagen seit 10 Jahren ungenutzt herum.

Genau das machen 1932 die beiden Präsidentschaftskandidaten Roosevelt und Hoover dann auch zu ihrem Wahlkampfthema. Beide wollten die Wirtschaft wieder auf Die Beine bringen und es sollte ein sehr knappes Rennen werden.

Der Sieger, das wussten wir schon, wurde Roosevelt, der noch am Abend seines Sieges Bier mit 3,2%VOL wieder erlauben lässt und damit sofort von der überwältigenden Mehrheit der Amerikaner frenetisch gefeiert wird.

Es dauert noch bis zum 5. Dezember 1933, aber an diesem Tag ist es soweit. Es ist der “Repeal Day”, der noch heute von Bartendern rund um die Welt gefeiert wird.

Das “Noble Experiment” ist gescheitert. Das war es vorher schon, denn es brachte keineswegs das nobelste in den Menschen hervor, aber es brachte uns einiges anderes. Es brachte uns Legenden und Drinks, die bis heute aktuell sind.

 

Im nächsten Artikel werde ich euch vier Drinks vorstellen, die wir dem Noble Experiment zu verdanken haben!

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