Wenn ich erzähle, dass ich von der Müritz komme, dann hat meistens schon jemand davon gehört. Allerdings rede ich hier auch von Berlin und kann nicht für südlichere Gefilde sprechen.  Die Müritz ist der größte Binnensee Deutschlands (Müritz kommt übrigens von ”Morcze”, was ”kleines Meer” bedeutet) und an ihr liegt auch gleichzeitig der größte terrestrische Nationalpark bzw. das größte terrestrische Naturschutzgebiet der Bundesrepublik – der Müritz-Nationalpark.

Dieser größte aller deutschen Nationalparks beherbergt auch die Wacholderheide, die am Ostufer der Müritz liegt. Diese Heide ist Heimat für viele Tier- und Pflanzenarten, die in solch einer Vielfalt kaum woanders in Deutschland anzutreffen sind. Der Wacholder jedoch muss jedes Jahr im Februar zurückgeschitten werden, da er sonst andere Pflanzenarten verdrängen würde.

Es wäre pure Verschwendung den Wacholder danach zu entsorgen, also was damit tun?

Treffen sich ein Fischer und ein Werbefachmann…

Diese Zeile klingt in diesem Fall nicht wie der Beginn eines Witzes, sondern wie der Beginn einer echt guten Idee! Denn Jens Peter Schaffran, Geschäftsführer der ”Müritzfischer” und Thomas Engels, Inhaber von ”Engels-MV Management” wissen, was mit dem Wacholderschnitt anzufangen ist.

So beGINnt es also!

Mit dem Wacholder aus der Heide und einem typischen Botanical des Nordens, dem Sanddorn, sowie 19 weiteren Botanicals haben die beiden den ”Müritz Gin” kreiert.

Man muss an dieser Stelle noch einmal herausstellen, dass es sich um eine wilde Wacholderheide handelt. Die geerntete Menge und damit auch die resultierende Ginmenge werden also hier von der Natur selbst begrenzt. Und die Qualität des Wacholders ist unverändert von menschlichen Einflüssen und komplett naturbelassen.

Ob es dieses regionale Produkt nun auch mit anderen bekannten deutschen Gins aufnehmen kann, möchte ich in diesem Test und Tasting herausfinden. Über die Historie wissen wir nun denke ich genug. Kommen wir nun also zum Produkt!

Packaging:

Der Müritz Gin kommt in einer klaren, eckigen Glasflasche mit Echtholzkorken daher. Der Korken und die hohe Dicke des Glases vermitteln Hochwertigkeit. Der lange Flaschenhals sorgt für eine gute Haptik für Bartender.

Das Etikett ist schlicht, aber nicht billig. Es enthält die vorgeschriebenen Infos zu Füllmenge und Alkoholgehalt und eine hübsche Zeichnung von Wacholder und Sanddorn.

Auf der Rückseite finden sich noch ein paar infos zur Historie.

Mir persönlich fehlt auf den Etiketten eine Einordnung in die bestehenden Gin-Kategorien, doch vom gestalterischen Standpunkt aus, haben wir hier schonmal ein gelungenes Produkt vor uns.

Inhalt:

die erste Nase ist ein wenig sprittig, wie von einem Gin mit 45,5%Vol zu erwarten. Alles andere hätte stutzig gemacht. Danach offenbart sich ein komplexes Profil mit dominantem Wacholder. Es kann an meiner Herkunft liegen, aber schon im Geruch des Wacholders, glaube ich Unterschiede zum Wacholder anderer Gins zu erkennen. Er riecht für mich würziger, schärfer und kantiger.

Ich bin froh, dass es hier mit dem Sanddorn nicht übertrieben wurde, sondern dass er lediglich den Wacholder etwas abrundet und eine seidige Fußnote hinterlässt.

Ansonsten dominieren außer den schon genannten Key-Botanicals in diesem Gin ganz klar die Koriandersamen, Zitronenschalen und die Angelicawurzel.

Kommen wir nun zum Geschmack:

Das erste Mundgefühl überrascht sehr. Der Müritz Gin kommt trotz seiner 45,5% VOL extrem mild daher. Die Dominanten Noten sind hier auch wieder Wacholder und Sanddorn, jedoch in einem eher symbiotischen Zusammenspiel aus Würze und Frucht.

Wie auch in der Nase dominieren neben den beiden Key Botanicals die Zitronenschalen und die Angelica legt sich angenehm wie ein Teppich über die Zunge, ohne pelzig zu wirken.

Trotz seiner überraschenden Milde kommt er für meinen Geschmack gerade noch trocken genug daher und lässt sich wunderbar auch pur oder einfach nur auf Eis genießen.

Im Gin&Tonic hat er mich am meisten mit Fever Tree indian und Fever Tree Mediterranean Tonic überzeugt, aber auch ein Schweppes Dry Tonic water steht ihm gut zu Gesicht.

Fazit:

Ich bin sehr glücklich mit der Art wie sich meine Heimatregion mit diesem Gin der Welt präsentiert und ich hoffe die kommenden Jahre werden es um diese Marke nicht still werden lassen. Ein toller ausbalancierter Gin, der sich vor keinem Kontrahenten verstecken muss!

 

Preis: ab 20,00€ (0,2l) 32,00€(0,5l)

Alkoholgehalt: 45,5% VOL

Produkte in diesem Artikel:

Müritz Gin 500ml

Schweppes Dry Tonic

Fever Tree Indian Tonic Water

Fever Tree Mediterranean Tonic Water

 

Photocredit: Michael Thurm, Pixabay